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© Ernst Genser

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Die Trift
Die Holzbringung über die Mürz
in der Nordsteiermark

Die einzelnen Kapitel sind wegen der besseren Übersicht numeriert.

Bitte beachtet die Danksagung und Quellenangabe am Schluss der Doku.

Das © für die Texte und Zusammenstellung liegt bei Ernst Genser

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Holzbringung „einst“ und „jetzt“

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Holzbringung „einst“
mit dem Mannschlitten oder Pferdeschlitten

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Die Holzbringung / TRIFTEN

...beginnen wir mit dieser Form der Holzbringung, die noch bis 1955 in der MüRZSTEGER Gegend üblich war.

Die Vorgangsweise beim Triften ist die, dass das im vergangenen Jahr geschlägerte Holz im Frühjahr über hochwasserführende Bäche und Schwemmkanäle zu verkehrsmäßig erschlossenen Sammelplätzen für den Weitertransport geleitet wird.
Das Triften hat sich mit dem Bau von für LKW geigneten Forststraßen überholt.

Für das Triften ist eine hohe Wassermenge zwingend erforderlich.
Da die Bäche üblicherweise nur im Frühjahr, bedingt durch die Schneeschmelze, genügend Wasser führen, kann das TRIFTEN daher nur im Frühjahr, beginnend mit dem Einsetzen der Schneeschmelze, durchgeführt werden.
Getriftet wurden Bloche bis zu 6 m Länge.
Die heute übliche Standardlänge ist 4 m.

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In Klausen wurde das Wasser aufgestaut. Die Stämme waren am Ufer des Stausees und entlang des Baches gelagert.
Getriftet wurde ausschließlich Nadelholz (Fichten), da Buchen zu schwer waren und im Bach und in den Riesen "liegen" blieben.
Mit Triftbeginn wurden die Stämme in den Stausee bzw. die Bachmitte verladen.
Bei genügend Wasserhöhe wurden die Schleusentore abgesenkt, und die Stämme wurden mit dem „Betriebswasser“ über den natürlichen Bachlauf geschwemmt und streckenweise über künstliche Rinnen aus Holz ‚Wasseriesen‘ geleitet.
Diese Vorgehensweise, dass die Klaustore nicht komplett geöffnet wurden, sondern nur nach Bedarf abgesenkt wurden, hatte den Vorteil, dass riesige Holzmengen verteilt auf mehrere Tage und Wochen geschwemmt werden konnten.

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Beginn der wichtigsten Mürzer Trift war die "Taschlklause" in der Frein.
Von dort wurde das Holz über den Freinbach in die Mürz geschwemmt "getriftet"

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Etwa in der Mitte des Transportweges bei der Rasthöhsperre in Höhe "Totes Weib" wurde ein Zwischenlager eingerichtet.
Dort wurde das "verbrauchte" aufgewärmte Wasser durch kaltes Wasser ersetzt.
Dadurch wurde der Auftrieb des Holzes verbessert, denn kaltes Wasser ist schwerer als warmes und "trägt" daher besser.
Das in der Rasthöhsperre zwischengelagerte Holz wurde dann in den nächsten Tagen, je nach Wasserlage, über den Streckenabschnitt Scheiterboden die "Grobschotterstrecke" nach Mürzsteg zum Krampen getriftet.

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Am vorletzten Punkt des Transportweges in der KRAMPEN stand ein Rechen, der die angeschwemmten Stämme und Scheiter in einem "Zwischenlager" auffing.
Ein zusätzlicher massiver Sperrbaum aus Lärche verhinderte bei Hochwasser eine Beschädigung des Rechens.
Von dort wurden die Stämme über Tunnel und Holzrinnen "Riesen" zum Ausländeplatz in Neuberg geleitet.

Diese etwa 2,1 km lange Strecke war wegen der Streckenführung mit Flussquerung Tirolbach und Mürz, 2 Tunnelbauten und einem Stollenbau in Beton technisch enorm aufwendig, auch weil ein konstanter Wasserfluss trotz stetig wechselnder Wasserstände notwendig war, um Verklausungen zu verhindern.

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Nach der Ausländung erfolgte die Verarbeitung der Stämme im Sägewerk in Neuberg oder es wurden die Stämme und die Scheiter direkt auf die Bahn zum Weitertransport verladen.

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Die Holzbringung HEUTE

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Technische Daten der Taschl Triftstrecke Gesamt:
Errichtung der neuen Taschl Triftstrecke 1928 bis 1929
Gesamtlänge der Taschl Triftstrecke 46 km
Trifteinheiten p.a. 20.000 bis 30.000 (1 Trifteinheit = 1fm³)
Klausenschläge pro Jahr bei günstigen Bedingungen 10 bis 12
bei wenig Wasser 70 - 80
Beschäftigtenstand (1928 to 1951) p.a. 45 bis 90
Dauer der Triftsaison 4 bis 6 Wochen p.a.
Dauer der Trift Taschl bis zur Rasthöhsperre etwa 8 Stunden
Dauer der Trift Rasthöhsperre bis Krampen etwa 8 Stunden
Dauer der Trift Krampen bis Ausländung in Neuberg etwa 4 Stunden
Fassungsraum der Taschlklause nach Umbau 1927 50.000 m³
Fassungsraum der Rasthöhsperre nach Umbau 1927 62.000 m³
Streckenlänge Abschnitt Krampen - Neuberg 2.100 m
Gefälle Abschnitt Krampen - Neuberg 0,5 ‰
Triftgeschwindigkeit Abschnitt Krampen - Neuberg 0,80 m bis 1,20 m / s

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Die Triftbäche in der MüRZSTEGER Gegend

Der Abschnitt 14 mit dem Bild "Triftbäche" zeigt das Netz an Triften und Schwemmkanälen in der MüRZSTEGER Gegend.
Die Bauten der Triftanlagen sind verfallen oder abgerissen, mitunter stehen nur mehr die Fundamente zur Erinnerung an vergangene Zeiten.
Insbesonders die Historie wird im
Museumsverein Historisches Mürzsteg und Holzknechtleben
für nachfolgende Generationen bewahrt.
Bei Führungen wird auch der Zusammenhang zwischen Natur und beginnender Industrialisierung im Wald vermittelt.

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Triftstrecken: Getriftet wurde über folgende Bäche:

Die Haupt-Triftstrecke war jedoch die Trift aus dem Taschl. Die anderen Strecken wurden nur bei Bedarf und bei genügend Triftwasser verwendet.


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Eine interaktive Karte könnt ihr hier abrufen

(mit der Maus oder dem Finger über die Punkte 1 bis 10 fahren)

interaktive Triftkarte

Bild: Triftbäche

Anmerkung: Der Vollständigkeit halber sind auch die Klausen (Staubauwerke) Steinalpl- und Stanglbach, Stille- und Kalte Mürz in der Karte "Triftbäche" eingezeichnet.
Diese waren jedoch nur rudimentär oder temporär ausgeführte Klausen.
Daher erfolgte über diese Bäche nur eine "Selbstwassertrift" und kein Betrieb über "Klauswasser", wo Bäche großräumig aufgestaut wurden.

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Die Holzbringung / TRIFTEN

Beginnen wir dort, wo das Wasser für den Holztransport gestaut wurde, den Staubauwerken in Fachsprache auch „Klausen“ genannt.

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Niederalpl Klause mit Gamsjäger Kapelle

(Holzknecht mit Flößhaken, auf Blochen mit Steigeisen stehend, Kapelle mittig, im Hintergrund)

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Niederalpl Klause (überschwemme)

Mitte links Schütz ausgeführt als Hebeschütz für Ablass und Schotterabfuhr

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Niederalplklause
(Ansicht Ausflußseite)

mit Überschwemme (links) und Ablaßschütz (mittig),
Schusstafel und
Seitenverbauten „Schlachten“.
Gespeist wurde die Klause aus dem Dobreinbach, dem Zusammenfluss des Bärenbachs und des Niederalplbachs.

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Die größte und wichtigste Klause war die "Taschl Klause"

Das Triftbecken der Taschlklause wurde vom Freinerbach gespeist.
Unterhalb der Klause erfolgte der Zusammenschluss des Ausflusses mit dem Brunntal Bach, ausgeführt als "Wasserriese".

Ansicht von Seite Staubecken

Faßungsvermögen: etwa 50.000 m³
Ausflußzeit: etwa 3-4 Stunden

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Taschlklause: Im Jahr 2002 noch vorhandene Bauten

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Taschl Klause

(Ansicht Ausflußseite)
mit Überschwemme und Wasserriese (im Bau)

(Ansicht Ausflußseite mit Riese und Auffangbecken der sog. "Fangstauung", 1950 mit Exkursion)


Bloche gleiten in die "Fangstauung" und werden im Zuge der Wasserströmung in die Riese weiter geschwemmt
(in Betrieb 1950)

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Taschlklause mit Hochwasserüberfall,
Steg und "Oehrag" Wasserriese

(Ansicht Ausflußseite)

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Bild: Arbeitspartie (Paß)

bei der Reparatur der Taschlklause (etwa 1950).
Die Arbeiter von links nach rechts: Ulm Viktor, Schöggl Othmar, unbekannter Forstbeamter

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Film 1: Taschlklause

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Zusammenfluss der Taschlriese (links) mit der Brunntalriese (rechts)

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Flusseinbauten

Naturgemäß wiesen die Bäche keine ideale Form für den Holztransport auf.
Streckenweise mußte der Bachlauf daher erst durch entsprechende Bauten wie Schlachten, das sind seitliche Bachverbauten und Schusstafeln (längsseitige Holzverbauten im Bachbett) für ein staufreies Triften des Holzes ertüchtigt werden.

Bild: Schlachtenbau in Scheiterboden (Grobschotterstrecke) 1927

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Bild: Im Jahr 2002 im Freinbach (aus dem Taschl) noch vorhandene Triftbauten

(Seitenverbauten "Schlachten" und Schusstafeln im Bachbett)

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Bild: Rasthöhsperre etwa 1928 (Bau) und 1950

Faßungsvermögen: etwa 62.000 m³
Ausflußzeit: etwa 1-2 Stunden
Planungsarbeit: Österreichische Bundesforste
mechanische Bauausführung: Voith St. Pölten


Rasthöhsperre in Betrieb
(Ansicht Ausflußseite)

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Bild: Rasthöhsperre Im Jahr 2002 noch vorhandene Bauten

gut erkennbar die Betonfundamente und die Schusstafeln im Bachboden.

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TRIFTEN: die Beseitigung von Hindernissen

Bei kritischen Stellen, also dort, wo sich die Stämme verkeilen konnten, mussten Holzknechte mit Flözhaken eingreifen und die Stämme entwirren.
Bei der Nachtrift wurden die übriggebliebenen Stämme von den Holzknechten teilweise im Schmelzwasser stehend(!), ins Fließwasser eingeordnet.

Bild: Holzknechte "Paß"

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Bild: Arbeitstrupp Holzknechte "Paß" mit Namen, soweit noch eruierbar

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TRIFTEN: die Beseitigung von Hindernissen "Tiefwaten" im Schmelzwasser

Bild: Trift
am Eingang zum "toten Weib" (1940)

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Film 2: Rasthöhsperre

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Engelbrecht-Wehr
in Mürzsteg (2001 abgebrannt)

(Kirche links, Mühlhaus rechts)

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Bild: Verklausung und Hochwasser oberhalb Riessbrücke
Mürzsteg war 5 Tage vom Verkehr abgeschnitten 1949?

Immer wieder gab es zerstörerische Hochwasser.
Durch in der Trift liegengebliebene Stämme entstand oft zusätzlich eine verheerende Verklausung die bis Mürzsteg zurückreichte.

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Bild: Holzrechen in Krampen (Gesamtanlage)

(flussabwärts vom heutigen E-Werk "Fladendorfer Höhe")
Anmerkung: 1984/1985 wurde das Kraftwerk "Fladendorfer Höhe" gebaut. Mit dem Bau der Staustufe wurde auch das Flussgebiet der Krampen nachhaltig verändert.
Die Ansichten der Trift in den Bildern von 'seinerzeit' sind seit dem Bau nicht mehr vorhanden.


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Bild: Krampen Einlaufbauwerk in Holzriesen-Schwemmkanal (im Bau 1929)


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Triftstrecke Schwemmkanal Abschnitt Krampen - Neuberg

Die Strecke Krampen - Neuberg war mit 2.101 m Länge der aufwändigste und teuerste Abschnitt der Triftanlage.

Die Strecke wird unterteilt in:

Der gesamte Schwemmkanal (einschließlich Stollen und Tunnel) Krampen - Neuberg wurde mit OeHRAG "Holzriesen" ausgeführt.
Der Riesenkörper bestand aus etwa 50 mm starken Fichten-Holzbohlen, halbkreisförmig angeordnet in Nut-Federtechnik mit einer lichten Weite von 110 cm.
Die Bohlen waren gegeneinander versetzt und mit Metallplatten abgedichtet.

Bild: Schwemmkanal „Krampen“ im Bau, 1928/1929, mit Mürzquerung

Bau der OeHRAG Patentriese mit Tragekonstruktion, Abschnitt Krampen Höhe Landhaus Kraus Karl
Blick auf Einlaufbauwerk in der Krampen Mitte links (Abschnitt Flandorfer Höhe)
Im Vordergrund: Zulauf in Betonstollen 'Fuhrmannhaus'


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Bild: Triftstrecke mit „Holzriesen“

Bauabschnitt Querung Tirolbach bei Einmündung in die Mürz



Schwemmkanal im Bau 1928/1929

Abschnitt Betonstollen „Schuhmannhaus“ Einlaufportal Schwemmkanal



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Bild: Überleitung über nach Neuberg

Bauabschnitt Flandorfer Höhe, Tragewerk für Schwemmkanal



Bild: Nach Mürzquerung vor Stollen I im Bau



Bild: Nach Mürzquerung vor Stollen II im Bau

(1929 mit Ing. Eisler)



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Film 3: Krampen, Überleitung in „Holzriesen“ (in den 1940er Jahren)



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Bild: Wasserschloss, Ausländung in Neuberg



Bild: Ausländung in Neuberg

Gesamtanlage mit Holzlagerplatz und Säge



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Film 4: Neuberg, Ausländung (in den 1940er Jahren)

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Film: Frauen im Krieg (1943/44)

Dies ist ein Propagandafilm des 3. Reichs zur Mobilisierung der letzten Kräfte!
Entstanden ist der Film etwa 1944 in Neuberg.
Er zeigt euphemistisch, wie "einfach" Sägewerksarbeit auch für Frauen ist.
Damit soll vermittelt werden, wie "leicht" doch die Arbeit im kriegswichtigem Sägewerk ist.
Scherzende Frauen in hot pants rollen Baumstämme und schlichten mit bloßen Händen sägeraues Holz.
Ob das wirklich jemand geglaubt hat?

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DANKE!
das war‘s

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DANKSAGUNG:
Allen vorangestellt, danke ich ich Herrn Johann „Hans" Wieland.
* 29.1928 Annaberg / NÖ ✝︎12. August 2011
Ohne seine Mithilfe hätte diese Dokumentation nicht erstellt werden können!

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Quellen:

Hinweis zum © Copyright:

In der Regel endet das Urheberrecht 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers.
Hier gibt es die Ausnahme der Leistungsschutzrechte, für diese gelten 50 Jahre.
Zu den Leistungsschutzrechten zählen etwa Tonträger, Lichtbilder, Schallträger sowie Rundfunksendungen.
Leider konnten für diese Dokumentation keine Quellenangaben mangels bekannter Urheberschaft gemacht werden.
Aufgrund des Datums der verwendeten Lichtbilder mit Entstehungsjahr älter als 1940, in der Regel 1930, kann davon ausgegangen werden, dass diese Frist von 50 Jahren ausgeschöpft ist.

Hinweis zu Viktor Schauberger

Dieser wird immer wieder im Zusammenhang mit der Trift in den Mürzforsten genannt.
Schauberger hat aber tatsächlich nichts mit dieser Triftanlage zu tun. Schauberger war also zu keinem Zeitpunkt weder in die Planung noch Ausführung der Mürzer Triftanlagen eingebunden.
Jede Verbindung Schaubergers mit dieser Anlage ist also ein guter Marketing Gag, ist aber tatsächlich „Fake – News“


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